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Durchlaucht sind erbost
Dieser Eintrag stammt von rolf Am 19.2.2008 @ 23:29 In Märkte, Moneten, Medien, Manager und Ethik | Keine Kommentare

Die Burg von Liechtenstein, Tummelplatz für russische Kriminelle, italienische Mafiosi und deutsche Manager
Seit Tagen muss ich mich mit dieser Zumwinkel-Affäre beschäftigen. Der Bundesnachrichtendienst kauft von einem Kriminellen für ein paar Millionen eine CD-Rom mit Daten von Kunden einer Liechtensteiner Bank. Als erstes greift man sich den prominentesten mutmaßlichen Steuersünder, Post-Chef Klaus Zumwinkel. Ein ZDF-Reporter steht morgens um 7:00 Uhr vor dem in Nebel getauchten Posttower in Bonn, um über die Razzia live zu berichten. Woher hat er diese Information?
Auf der Regierungspressekonferenz lässt der Sprecher des Bundesfinanzministeriums durchblicken, dass es jetzt einigen hundert „Leistungsträgern“, allesamt Liechtensteiner Bankkunden, an den Kragen geht. Die Finanzämter werden angeblich mit einer Welle von Selbstanzeigen überhäuft, weil die nur die Zahlung der Steuerschuld plus Zinsen, aber keine Strafen zur Folge haben.
Die Bild-Zeitung schürt den Hass auf die Raffkes mit dicken Schlagzeilen. Die Kommentatoren sind sich einig: Wenn sich die Linke dauerhaft als fünfte parlamentarische Kraft im deutschen Parteiensystem etablieren sollte, dann hat sie es Managern wie Zumwinkel zu verdanken. Die Bild-Zeitung als Steigbügelhalter von Oscar Lafontaine und Gregor Gysi? Merkwürdige Allianzen…
Gysi und Co. verhalten sich klug, nämlich ruhig. Sie brauchen im Grunde nur die Titelseite der Bildzeitung hochzuhalten, um neue Wähler zu bekommen.
Und jetzt meldet sich auch noch der designierte Nachfolger des Fürsten von Liechtenstein zu Wort: Erbprinz Alois spricht von einem Angriff auf Liechtenstein, von Hehlerei im großen Stil, von illegal beschafften Informationen, er behalte sich rechtliche Schritte vor. Der Mann muss richtig einen an der Kappe haben. Sein Operettenstaat ist eine der größten Geldwaschanlagen Europas, in der sich russische Kriminelle, italienische Mafiosi und eben auch deutsche Manager tummeln. Seit Jahren weigert er sich aus gutem Grund, die europäischen Mindeststandards zur Besteuerung von Zinseinkünften zu unterschreiben – sonst wären nämlich seine Burg nebst Briefkastenfirmen bald pleite. Einlassungen des Herrn Alois von und zu Liechtenstein haben die moralische Qualität eines rumänischen Hütchenspielers.
Was soll’s? Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Der Finanzminister freut sich über den Steuersegen, vier bis fünf Millionen, die der BND gezahlt haben soll, ordentlich im Haushalt verbucht, bringen 400 bis 500 Millionen ein – wenn das kein schlechtes Geschäft ist. Und bis zur nächsten Bundestagswahl ist das Ganze vergessen, vielleicht bleibt die Linke ja doch unter fünf Prozent….
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