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EZB als Krisenmanager?
An den globalen Finanzmärkten knirscht es heftig. Vor allem die US-Notenbank versucht verzweifelt, die Krise einzudämmen - zum Beispiel durch deutliche Zinssenkungen. Am Donnerstag berät auch die Europäische Zentralbank über die Leitzinsen. Kann und soll sie gegensteuern?
Eines der Hauptprobleme der gegenwärtigen Finanzkrise ist der Vertrauensverlust der Banken untereinander. Keiner weiß, welche faulen Eier der andere noch in seinen Büchern stehen hat. Entsprechend gering ist die Bereitschaft, sich untereinander Geld zu leihen – was sich auch auf die Kreditvergabe an die Realwirtschaft auswirkt. Mit anderen Worten: Das Geld, der Schmierstoff, der die Wirtschaft in Gang hält, wird immer zähflüssiger.
Die Notenbanken haben zwei Möglichkeiten, gegenzusteuern: Sie können die Leitzinsen, zu denen sich die Geschäftsbanken gegen Hinterlegung von Wertpapieren von der Zentralbank Geld leihen können, senken. Und sie können außer der Reihe den Märkten in Sonderaktionen zusätzlich Geld zu besonders günstigen Konditionen anbieten.
Von beiden Möglichkeiten hat die amerikanische Notenbank Fed bereits reichlich Gebrauch gemacht. Sie hat die Leitzinsen in mehreren Schritten drastisch gesenkt, und sie hat den Märkten zusätzlich hunderte von Milliarden Dollar angeboten. Dabei durften nicht nur Geschäftsbanken, sondern auch die Brokerhäuser an der Wall Street mitbieten – ein absolutes Novum. Und: Die Bieter brauchten nicht einmal die sonst üblichen erstklassigen Wertpapiere zu hinterlegen – es genügten auch Zweitrangige. Mit anderen Worten: Die Fed ist momentan sogar bereit, jene faulen Eier in Ihr Portfolio aufzunehmen, die die amerikanischen Banken über Jahre hinweg im Immobiliensektor produziert haben.
Soll sich die Europäische Zentralbank, die am kommenden Donnerstag ihre nächste turnusmäßige Ratssitzung hat, an diesem Spiel beteiligen? An einigen Sonderzuteilungsaktionen hat sie sich bereits, abgestimmt mit den anderen Notenbanken, beteiligt. Allein über Ostern hat sie den Banken rund 15 Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung gestellt. Doch ihre Spritzen haben bislang nie amerikanische Ausmaße erreicht, und ihre Konditionen hatten auch nie den amerikanischen Ausverkaufscharakter.
Und die Leitzinsen? Vermutlich wird die EZB am Donnerstag an den Leitzinsen überhaupt nichts ändern. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste hat etwas mit ihrem Selbstverständnis zu tun: Sie ist nicht dazu da, Konjunktur- oder Wechselkurspolitik zu machen. Sondern einzig und allein mit ihrer Geldpolitik die Inflation einzudämmen. Und zweitens sprechen momentan mindestens ebenso viele Gründe für eine Straffung der Geldpolitik wie für eine Lockerung. Sorgen machen der EZB vor allem die gestiegenen Rohstoffpreise. Deshalb hat sie ihre Inflationsprognosen für dieses und das kommende Jahr nach oben revidiert – was eine Zinssenkung eher unwahrscheinlich macht.
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