Oberhalb der Stammtischkante

rolf.jpg Nun muss ich mal zwei Themen miteinander vermischen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber immerhin einige Kommentare und etwas Leben in die Bude gebracht haben: Der Fackellauf zu den Olympischen Spielen und die blöden und unpolitischen deutschen Blogger. Erstes Thema hat Gabi F. mit dieser wunderschönen Fotomontage abschließend behandelt, wobei sie allerdings auf ein Foto zurück gegriffen haben muss, was etwa Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden ist.

Zweitens muss ich noch einige Bemerkungen loswerden, die Markus Beckedahl, der den Blog Netzpolitik.org betreibt, zur vergleichenden Untersuchung der deutschen und der amerikanischen Blogspäre gemacht hat. Ein Argument des Netzpolitik.org-Betreibers darf man m. E. nicht gelten lassen, nämlich dass die amerikanische Bevölkerung dreimal so groß ist wie die unsrige und es deshalb völlig klar sei, dass es dort mehr politische Blogs gebe. Das stimmt zwar, aber Prozentzahlen sind genau dafür geschaffen, solche absoluten Unterschiede vergleichbar zu machen, indem sich eben alles auf 100 Einwohner bzw. Blogs bezieht. Insofern ist der Vergleich 0,5 Prozent politischer Blogs hierzulande zu fünf Prozent in den USA für sich genommen richtig, methodisch kann man den Autoren der Studie in dieser Beziehung keinen Vorwurf machen. Recht hat Markus Beckedahl allerdings mit seiner Kritik an der Wahl der Begriffe, die für die Ermittlung des Politisierungsgrads herangezogen worden sind. Die Untersuchung wäre ein Jahr später, also 2007, mit den Begriffen Schäuble, Bundestrojaner und Vorratsdatenspeicherung ganz anders verlaufen. Womit bewiesen wäre, dass sich der Politisierungs- und damit auch der Reifegrad einer Blogsphere nicht einfach durch quantitative Methoden ermitteln lässt.

Bleibt die Frage, was beide Themen miteinander zu tun haben. Ob Olympia-Boykott oder das angekratzte Selbstbewusstsein der deutschen Bloggerszene - die Diskussion flacht nach einer Weile ab und bewegt sich knapp oberhalb der Stammtischkante. Aber das muss überhaupt nicht schlimm sein, finde ich. Der Kölner hat dafür einen Spruch: Irjendwann isset äwe och joot.

5 Antworten auf “Oberhalb der Stammtischkante”

  1. g.frank sagt:

    Gemeinsam ist den beiden Diskussionen vor allem, dass sie auf die Frage „Was oder wer ist politisch?“ keine Antworten geben. Sind die Leute, die über Busch, Merkel, Hartz IV, reden, politisch? Oder sind sie es nur, wenn sie es öffentlich oder öffentlichkeitswirksam tun? Ich bin auch heutzutage zu wenig Realo, als dass ich diese (deutsche) 0,5 % (- Klausel) und wie sie zustande kommt, für das Zentrale halte.

  2. immekeppel sagt:

    ich hab aus politik und olympia eine andere art von synthese geschaffen:

    frau merkel - deren auslagen dieser tage immerhin ein paar meldungen wert sind - musst jetzt unbedingt nach peking zu den olympischen spielen. dort kann sie dann entweder ihre 100 meter brust abwickeln oder aber das chinesische milchgeschäft ankurbeln…

  3. rolf sagt:

    Zu Angela, dem dankbaren Opfer aller deutschsprachigen Kabarettisten, fällt mir abermals der kölsche Spruch ein: Irjendwann isset och joot.

  4. rolf sagt:

    An GabiF.: Gemeint sind hier nur Blogs, und die sind nun mal öffentlich. Ich finde, man muss nicht unbedingt Realo im Sinne des Besitzers eines enzyklopädischen Wissens sein, um politisch mitreden zu können. Die beste Methode, einen ungewünschten Bewerber auf die Stelle eines Ressortleiters Innenpolitik loszuwerden: Frag’ ihn nach den Namen der Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer, nach den Hauptstädten derselben, und wenn es gar nicht anders geht, nach den Unterschieden im Kommunalrecht NRW (französischen Ursprungs, wenn ich mich recht entsinne) und Hessens (preußisch - kann auch andersrum sein).
    Frage: Was hälst Du für das Zentrale?

  5. g.frank sagt:

    Die Frage „Was oder wer ist politisch?“ war ernst gemeint. (die nach dem Zentralen überfordert mich also). Zugleich wollte ich unsere Diskussion von den %-Zahlen runterholen und spielte dabei auf die 5%-Klausel und d i e Realos an, die Politik zwingend mit Parlamentarismus (oder gar Regierung) verbinden. Ja, und Blogs sind öffentlich, selbst wenn sie hier und da kein Schwein liest, dafür ist aber manch´ Privates politisch! Lassen wir die Frage doch einfach offen, statt sie auch unsererseits zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie zu erheben?! g.frank alias Gabi F. ;-)

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