- Medien, Märkte, Moneten - Rolf Wenkels Blog - http://wenkelblog.com -
Oberhalb der Stammtischkante
Dieser Eintrag stammt von rolf Am 14.4.2008 @ 21:13 In Netzkultur, Medien, Web 2.0 | 5 Kommentare
Nun muss ich mal zwei Themen miteinander vermischen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber immerhin einige Kommentare und etwas Leben in die Bude gebracht haben: Der Fackellauf zu den Olympischen Spielen und die blöden und unpolitischen deutschen Blogger. Erstes Thema hat Gabi F. mit dieser wunderschönen Fotomontage abschließend behandelt, wobei sie allerdings auf ein Foto zurück gegriffen haben muss, was etwa Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden ist.
Zweitens muss ich noch einige Bemerkungen loswerden, die Markus Beckedahl, der den Blog Netzpolitik.org betreibt, zur vergleichenden Untersuchung der deutschen und der amerikanischen Blogspäre gemacht hat. Ein Argument des Netzpolitik.org-Betreibers darf man m. E. nicht gelten lassen, nämlich dass die amerikanische Bevölkerung dreimal so groß ist wie die unsrige und es deshalb völlig klar sei, dass es dort mehr politische Blogs gebe. Das stimmt zwar, aber Prozentzahlen sind genau dafür geschaffen, solche absoluten Unterschiede vergleichbar zu machen, indem sich eben alles auf 100 Einwohner bzw. Blogs bezieht. Insofern ist der Vergleich 0,5 Prozent politischer Blogs hierzulande zu fünf Prozent in den USA für sich genommen richtig, methodisch kann man den Autoren der Studie in dieser Beziehung keinen Vorwurf machen. Recht hat Markus Beckedahl allerdings mit seiner Kritik an der Wahl der Begriffe, die für die Ermittlung des Politisierungsgrads herangezogen worden sind. Die Untersuchung wäre ein Jahr später, also 2007, mit den Begriffen Schäuble, Bundestrojaner und Vorratsdatenspeicherung ganz anders verlaufen. Womit bewiesen wäre, dass sich der Politisierungs- und damit auch der Reifegrad einer Blogsphere nicht einfach durch quantitative Methoden ermitteln lässt.
Bleibt die Frage, was beide Themen miteinander zu tun haben. Ob Olympia-Boykott oder das angekratzte Selbstbewusstsein der deutschen Bloggerszene - die Diskussion flacht nach einer Weile ab und bewegt sich knapp oberhalb der Stammtischkante. Aber das muss überhaupt nicht schlimm sein, finde ich. Der Kölner hat dafür einen Spruch: Irjendwann isset äwe och joot.
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Medien, Märkte, Moneten - Rolf Wenkels Blog: http://wenkelblog.com
URL zum Artikel: http://wenkelblog.com/archives/184
Klicken hier zum Drucken.