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Kannibal lässt grüßen
Trägt man die weltweite Gesamtauflage von Druckerzeugnissen auf einer Zeitachse auf und verlängert den Trend linear, dann wird die letzte Zeitung im ersten Quartal 2043 gedruckt. Dieser Meinung ist jedenfalls der amerikanische Medienprofessor Philip Meyer. Für Deutschland ergeben sich ähnliche Trends. Laut ARD/ZDF-Langzeitstudie Mediennutzung haben die Bundesbürger über 14 Jahren 1980 rund 38 Minuten täglich in einer Tageszeitung gelesen, 2005 nur noch 28 Minuten. Gleichzeitig ist der Fernsehkonsum von 125 auf 220 Minuten gestiegen. Doch dieser Vergleich führt in die Irre, denn der wahre Feind der Printmedien lauert woanders: Die Nutzung des Internets, im Jahr 2000 erstmals erfragt, ist von 13 auf 44 Minuten gestiegen - die höchste Zuwachsrate überhaupt. Den Verlegern der Printmedien bröckeln die Auflagen und die Anzeigen weg. Anzeigen (und nicht der Verkaufspreis der Tageszeitung) finanzieren jedoch die Redaktionsmannschaft und deren Qualität. Es ist zwar noch nicht so, dass Anzeigen 1:1 ins Netz wandern, aber immerhin ist ein Trend erkennbar. Die Verleger scheinen darauf völlig falsch zu reagieren: wo weniger Geld fließt, werden Honorare eingefroren und Redakteure entlassen. Kannibal lässt grüßen: Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Eine kurze Frist zur Besinnung haben die Verleger noch. Denn das Internet bietet noch keine ausreichende Werbefinanzierung für ausschließlichen Online-Journalismus, obwohl immer mehr Leser ins Netz wandern. Kostenpflichtige Netz-Abos oder Archive haben sich bislang nicht bewährt - aber irgendeiner findet bestimmt den Dreh.
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