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Blogroll
Wer lernt von wem?
Eine Interview-Serie der Süddeutschen Zeitung zur Zukunft der Medien fiel kürzlich auf mit kampagnenhaften Titelparolen wie „Google News ist unser Feind“, „Wir werden von Blogs und Gelaber überflutet“, „Der Blogger-Schreck“ oder „Blogger gehen nach dem Copy-and-Paste-Prinzip vor“. Die Beiträge selbst seien sehr viel differenzierter gewesen, meint Christiane Schulzki-Haddouti in einem Artikel der medienpolitischen Zeitschrift „MMM“ der Gewerkschaft ver.di. Den Titeln sei vor allem die redaktionelle Skepsis gegenüber der Bloggerwelt anzumerken, sie verrieten jedoch wenig von der Komplexität der sich sehr dynamisch entwickelnden Blogsphäre. „Dabei könnten Journalisten von Bloggern gleich in mehrfacher Hinsicht lernen“ schreibt sie, und überschreibt ihren Beitrag denn auch „Mit Bloggern auf Augenhöhe“ – und nicht etwa: „Mit Journalisten auf Augenhöhe“.
2 Antworten auf “Wer lernt von wem?”
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7.5.2008 bei 07:04
zunächst ist ein weblog ja mal nichts anderes als ein virtuelles tagebuch, in dem der bloggende mensch seinen sermon hinterlässt. das an sich hat ja noch nichts mit journalismus zu tun, kann aber trotzdem viel interessanter sein, als so manche debatte zu ausländerintegration oder wirtschaftlage, da man eventuell zwischen den zeilen eine menge über die stimmung von unmittelbar betroffenen herausfinden kann.
ist mir z.b. so ergangen bei meinem hartz iv experiment.
und man darf ja auch eines nicht vergessen: jede selbst als solche für objektiv gehaltene berichterstattung ist es trotzdem nicht, denn schon die auswahl der fakten steuert eine meinung - deshalb muss ja trotzdem nicht alles gelaber sein.
so, nu is genug gelabert…
dir einen schönen arbeitstag
7.5.2008 bei 17:39
Debatten zur Ausländerintegration oder zur Wirtschaftslage können auch spannend sein, behaupte ich mal. Natürlich gibt es keine objektive Berichterstattung. Das geht schon los, wenn Du behauptest, das Haus gegenüber sei weiß gestrichen, ohne Dich davon zu überzeugen, wie es auf der Rückseite aussieht. Trotzdem gibt es ein paar Regeln, die man in unserem Handwerk lernt (die aber nicht jeder einhält). Wenn z.B. drei Agenturen Meldungen zu einem Sachverhalt bringen, dann kann man davon ausgehen, dass das, was alle drei übereinstimmend berichten, der Wahrheit ziemlich nahe kommt. Zweitens würde ich nie einen Bericht durchgehen lassen, der sich nur auf einen Kronzeugen beruft. Autiatur et altera pars - es sollte stets auch die andere Seite zu Wort kommen.
Blogger haben m.E. gegenüber Journalisten Vor- und Nachteile. Die wenigsten Blogger können vermutlich in Echtzeit auf 30 Agenturen in deutscher, englischer, französischer und arabischer Sprache zurückgreifen. D.h. der Neuigkeitswert der meisten Blogs ist, gemessen an den Kriterien, mit denen man seine Zeitung, sein Radio- oder Fernsehprogramm misst, relativ bescheiden. Aber das ist im Grunde kein Nachteil - die wenigsten Blogs haben vermutlich den Ehrgeiz, den Profis den Rang abzulaufen.
Die Vorteile hast Du und hat Frau Schulzki-Haddouti beschrieben. Dein Hartz IV-Experiment zum Beispiel, das ich teilweise verfolgt habe, ist so eine Form des Bürgerjournalismus, den es vorher nicht gegeben hat.
Mein Arbeitstag war schlimm. Drei Stunden Autobahn, halbe Stunde Interview, drei Stunden Autobahn zurück. Mir reicht’s erst mal mit dem Autofahren.