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Videoportale - die neuen Geldmaschinen
Früher haben die Leute Nachrichten, Klatsch und Tratsch auf dem Marktplatz ausgetauscht. Das war vergnüglich und umsonst. Heute haben wir - dank Web 2.0 - viel mehr Quellen für Klatsch und Tratsch, nämlich das Internet. Und da kann man mit Klatsch und Tratsch richtig Geld verdienen.
Die Vielfalt der Quellen wird unendlich größer, das Angebot auch, wir reden heute über globalen Klatsch und Tratsch. Neu an Web 2.0 ist offenbar, dass man auch relativ problemlos eigene Videos ins Netz stellen kann. Die anzuschauen ist manchmal vergnüglich, manchmal peinlich, aber immer noch umsonst, wie damals, auf dem Marktplatz. Trotzdem verdient jemand an diesem Gratis-Vergnügen 1,6 Milliarden Dollar. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Man erkenne den Trend als erster, stelle den Nutzern, also denen, die ihre manchmal witzigen, bisweilen auch peinlichen Videos ins Netz stellen, eine möglichst einfache Plattform zur Verfügung, verweise bei der Werbewirtschaft auf die Zugriffszahlen und lasse leise anklingen, dass man käuflich ist.
Der Markt für Multimedia-Angebote im Internet boomt und lockt die Großen der Branche an. Das jüngste Beispiel dafür ist die Übernahme der Videoplattform YouTube durch Google. Stolze 1,6 Milliarden US-Dollar hat die Internet-Suchmaschine für das “Mitmach-Internet” hingeblättert. YouTube, Marktführer bei Videoportalen, hat seinen kostenlosen Dienst vor gut 18 Monaten gestartet. Jeder kann hier eigene Videos ins Internet stellen und Videos anderer anschauen. Finanziert werden solchen Portale ausschließlich durch Werbung. Warum der Videomarkt für die Werbewirtschaft besonders lukrativ ist, erläutert Ansgar Zerfaß, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig: “Man lässt sich nicht mrhr vom Fernsehen berieseln, sondern gerade witzige Videos werden im Internet angeschaut. Sie werden weiterempfohlen, und auf diese Weise muss man nicht mehr teuren Sendeplatz buchen und kann mit guten Ideen dafür sorgen, dass die Nutzer selbst Spots gut finden und weiterempfehlen.”
Die Nutzer solcher Angebote sind zwischen 15 und 30 Jahre alt, konsumfreudig und kaufkräftig. Ausschlaggebend für die Werbewirtschaft ist, das jeder Klick im Internet verfolgt werden kann und damit das Nutzerverhalten genau erfasst wird. Schon jetzt steigen die Internet-Werbe-Etats zu Lasten von Zeitungen und Fernsehen an, so dass Internetfernsehen in manchen Bereiche die Zukunft ist, meint Medienforscher Zerfaß: “Zum einen haben wir natürlich das klassische Fernsehen, wo wir die Tagesschau einschalten und den Tatort schauen, und auf der anderen Seite werden wir für Spezialthemen, Nischenthemen, in der Lage sein, rund um die Uhr das zu sehen, was ich gerne möchte.”
Neben den Nischenprogrammen, die dann jederzeit und von jedem Ort abgerufen werden können, wird der neue Markt vor allem für den Filmvertrieb interessant werden. Immer mehr Haushalte in Deutschland werden zukünftig Breitband-Internet haben. In fünf Jahren, so eine neue Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers, werden rund 60 Prozent der Haushalte die schnellen DSL-Leitungen für den Weg ins Internet nutzen. Ein weiterer Schub für das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet, so die Studie weiter.
Durch den Einstieg großer Investoren wie Google und den Medienmogul Murdoch, der sich seinerseits auf der Kommunikationsplattform Myspace eingekauft hat, entstehen bereits Monopole auf dem noch jungen Multimediamarkt. Google hat mit dem Einstieg bei YouTube auf dem amerikanischen Markt bereits eine Vormachtsstellung. So verwundert es kaum, dass Filmvermarkter und TV-Sender Urheberrechtsverletzungen von YouTube bisher zähneknirschend hingenommen haben und sogar strategische Partnerschaften mit dem Videoportal eingegangen sind. Denn wenn die profitträchtigen Geschäfte mit Online-Videotheken anlaufen sollten, will niemand vor der verschlossenen virtuellen Tür stehen.
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