Habe mir Mitte September die neueste CD des Geigers Nigel Kennedy gekauft (ja, gibt’s noch, trotz p2p-Netzen!): “Blue Note Sessions” heißt sie. Kennedy ist in der E-Musik eine anerkannte Größe, irritiert aber das etablierte E-Musik-Publikum mit seiner Irokesenfrisur und und seinem heftigen Slang. Hier spielt er statt Beethoven und Bach guten Jazz - mit Ron Carter am Bass, Jack de Johnette am Schlagzeug, Joe Lovano und Jo Allen Tenorsaxophon, Kenny Werner am Klavier. Eine wunderbare Scheibe. Kennedy hält sich selbst zurück und steuert nur zwei Eigenkompositionen bei, ansonsten gibt es eine Menge wunderbarer Standards wie “Song for my Father” von Horace Silver oder “Midnight Blue” von Kenny Burell. Die Zurückhaltung gilt aber nicht für Kennedys Geigenspiel: Sehr virtuos, manchmal an ein Blasinstrument erinnernd, mal wie eine E-Gitarre a la Jimmy Hendrix. Das ist auch der Grund, weshalb ich mir diese Scheibe gekauft habe - die Geige klingt nicht nach Django Reinhardt oder Jean-Luc Ponty und erst recht nicht wie die der Grinseärsche Helmut Zacharias oder André Rieu. Lange Zeit habe ich überlegt, ob ich 45 Euro investiere für Kennedys Auftritt auf den Leverkusener Jazztagen im November. Inzwischen hat sich das Problem erledigt: Kennedy hatte einen Autounfall in London und kann in Leverkusen nicht spielen. Schade. Gute Besserung, Nigel!
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