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Bürgerjournalismus oder Abzocke?
(Diesen Beitrag habe ich bereits in einem anderen Blog geschrieben, aber ich finde, er passt sehr gut zu “Medien, Märkte und Moneten”.)
Demnächst hat jeder Dummdödel ein 3-Megapixel-Handy und macht Berufsfotografen Konkurrenz. Der “Stern” gründet eine Bildagentur für Hobbyfotografen, “Bild” stellt Presseausweise für “Leser-Reporter” aus (d.h. wohl eher für Hobby-Paparazzi), das Magazin “Max” (Verlag Milchstraße/Burda) bettelt Flikr-Teilnehmer an, Fotos honorarfrei zu überlassen. Die einen nennen das euphorisch “Bürgerjournalismus” und knüpfen daran Hoffnungen wie seinerzeit an die Offenen Kanäle der 70er Jahre, die anderen (wozu auch ich mich zähle) nennen es Content-Klau, um Kosten zu sparen und Honorare für Freie Mitarbeiter zu drücken. Wenn Ihr Euch näher informieren wollt, empfehle ich Euch den Artikel “Billige Reporter” aus dem Gewerkschaftsmagazin “Menschen machen Medien” und eine Empfehlung,wie man als Hobby-Fotograf auf Max-Bettelbriefe antworten sollte.
3 Antworten auf “Bürgerjournalismus oder Abzocke?”
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29.10.2006 bei 21:30
Warum so ne Aufregung? Nur weil jetzt jeder “Dummdödel” – egal ob privater oder professioneller - fotografieren und veröffentlichen kann, was die anderen Dummdödel (?) sehen wollen? Da, wo der Unterschied zwischen Privatfotos und Fotojournalismus nur im Technischen gelegen haben sollte, juckt mich ein möglicher Kannibalismus eigentlich weniger. Im Gegenteil: Ganz wie in den 70ern verspüre ich sogar eine klammheimliche Freude. Warum sollte es den Profis vorbehalten bleiben, Mist zu veröffentlichen? Weil die dafür auch noch Geld bekommen? Nee, also da versteh´ ich den Stern und die Bild: Für Mist zahl´ ich auch nix.
29.10.2006 bei 23:13
Hurra Gabi!
Danke für Deinen ersten Kommentar in diesem Blog. Du hast recht: Warum sollte es Profis vorbehalten sein, Mist zu veröffentlichen. Aber der Großteil der deutschen Agentur- und Zeitungsfotografen lichtet das ab, was sein Arbeitgeber haben will, den Kaninchenzüchterverein, den Jubilar, den Ortsvorsteher (wobei ich immer an Prostata denken muss) etc. Man kann das Mist nennen, ok, aber davon lebt eine ganze Zunft, z.B. im Lokaljournalismus. Was Max, Bild und Stern wollen, ist leicht zu durchschauen: Möglichst billig oder gar umsonst an (vermeintliche) Sensationsfotos zu kommen. Diese Fotos sind nicht planbar. Aber je mehr Idioten man zu Bürgerjournalisten erklärt, ihnen einen Phantasie- Presseausweis ausstellt und ihre Bildrechte schon vorher vertraglich abtreten lässt, desto billiger wird es für die Verlage, wenn wirklich mal ein Diamant darunter ist. So zynisch es klingt: Vermutlich waren den meisten Medien die Amateurfotos und -videos vom Tsunami 04/05 zu teuer, während der dickbäuchige Sachse mit seiner Digicam am Strand von Thailand die Katastrophe als persönlichen Lottogewinn empfunden haben muss. Ist das Bürgerjournalismus?
30.10.2006 bei 11:06
Nee, das ist kein Bürgerjournalismus - aber das wissen die Blogger auch. Versuch doch mal einen kommerziell motivierten Beitrag in einen Blog zu stellen. Meine Prognose: entweder es wird dir nicht gelingen, weil der Beitrag nicht freigestellt wird oder dein Beitrag geht zwar automatisch online, erntet aber nur böse Beschimpfungen und wird ansonsten tot geschwiegen. Unternehmen versuchen zwar private Blogger zu funktionalisieren und denken dabei in den gewohnten Bahnen: „Wir stellen die Plattform, die Leute den kostenlosen Content“. Aber diese Rechnung geht nicht so ohne weiters auf. Gutscheine, Prämien müssen als Anreiz mindestens her. Vielleicht wird dann der Blog sogar von den vielen „Kostet-Nichts-Portalen“ referenziert und es finden sich einige Leute, die auf kleine Goodies aus sind, nicht aber qualifizierte Beiträge liefern wollen. Blogger kennen und nutzen ihre Freiheit. Sie suchen sich ihre Plattform aus, machen sie vielleicht sogar selber und sind – um in den Bildern von „Bürgerjournalismus“ zu bleiben – „mündige Bürger“!